» Grenzerfahrungen im eigenen Land
von Eva Wobik
(Obfrau und Initiatorin von VOBIS, Stand Herbst 2007)
Ich zerbreche mir immer wieder den Kopf über den Rassismus und die Intoleranz in unserem Land, über die sozial Schwachen und insbesondere über die Flüchtlinge, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und vehement daran gehindert werden, sich hier eine neue Existenz aufzubauen.
AsylwerberInnen haben in Kärnten einen besonders schlechten Status – sie leben im Nirgendwo, warten oft monate- oder jahrelang auf ihr Asylverfahren und haben in dieser Zeit keinerlei Möglichkeit sich abzulenken, sich weiterzubilden, sich zu beschäftigen (im Gegensatz zu Wien beispielsweise, wo es kostenlose Deutschkurse und Fortbildungsmöglichkeiten gibt). Sie müssen mit 40€ Taschengeld im Monat auskommen, dürfen weder arbeiten noch haben sie die Gelegenheit, die Sprache des Landes zu lernen, in dem sie eventuell irgendwann leben werden.
Irgendwann ist mir dann eine Idee gekommen: an unserer Uni gibt es so viele Studierende, die unentgeltlich (!) diverse Jobs machen (Babysitten, Diplomarbeiten korrigieren,...), um zu Berufserfahrung zu kommen und ihren Lebenslauf zu füllen – was sich bei der Arbeitssuche ohne Zweifel gut macht. Warum sollte es also nicht möglich sein, ein Projekt auf die Beine zu stellen, in dem StudentInnen die basic tools aus ihrer Muttersprache an AsylwerberInnen weitergeben? Oberflächlich betrachtet machen sie das zwar unentgeltlich, aber in der Tiefe ist eine solche Tätigkeit auf mehreren Ebenen bereichernd: die StudentInnen sammeln nicht nur berufliche Erfahrungen (für Lebenslauf etc.), sondern lernen auch Menschen aus anderen Kulturen und mit verschiedensten Erfahrungshintergründen kennen. Und sie leisten dadurch auch einen wesentlichen Beitrag in Sachen Antirassismus bzw. Friedensarbeit. Für StudentInnen, die die Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache (DaF) / Deutsch als Zweitsprache“ absolvieren, werden die Kurse zum Teil als Praxiszeit oder in Zukunft auch als freie Wahlfächer angerechnet.
Das Pilotprojekt beginnt im November 2007, in zwei Flüchtlingspensionen der Gemeinde St. Kanzian. Anfallende Kosten wie Benzingeld, Unterrichts-Materialien usw. werden von der Katholischen Frauenbewegung getragen. Zahlreiche andere Unterstützer (ÖIE, ZARA, ASPIS,...) standen uns ideell und mit Rat und Tat zur Seite.
Die AsylwerberInnen haben lange auf Beschäftigung gewartet und freuen sich aufs Lernen. Wir (sechs StudentInnen) stehen erstmals als Lehrende vor einer bunt gemischten Gruppe und werden unseren „SchülerInnen“ zeigen, dass es auch Menschen in diesem Land gibt, die sie willkommen heißen.
Sollte das Pilotprojekt gut funktionieren, und davon gehe ich aus, so soll es im nächsten Semester größere Dimensionen annehmen: es sollen Ortsgruppen von engagierten StudentInnen entstehen, die in ihren Heimatgemeinden Deutschkurse anbieten. Sieht man sich die Liste der Flüchtlingspensionen in Kärnten an, ist klar, dass genug Bedarf besteht. In diesem Sinne wenden wir uns an Sie:
Sprechen Sie Deutsch? Dann machen Sie mit!
(Foto vom Gründungsteam: oben v. l. Barbara Kofler, Alina Zeichen, Eva Wobik; unten v. l.: Denise Branz, Gerda Wobik, Florian Kerschbaumer)
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