Grenzerfahrung im eigenen Land
In Kärnten / Koroška / Carinthia leben derzeit ca. 1300 AsylweberInnen in zahlreichen Flüchtlingsheimen. So notwendig wie Unterkunft und Verpflegung ist für diese Menschen auch der Erwerb der deutschen Sprache. Das Projekt »Deutschkurse für AsylwerberInnen« will und kann sie dabei unterstützen. Wir laden Euch ein: macht mit! Sprechen Sie Deutsch....
AsylwerberInnen haben in Kärnten einen besonders schlechten Status – sie leben im Nirgendwo, warten jahrelang auf ihr Asylverfahren und haben in dieser Zeit keinerlei Möglichkeit sich abzulenken, sich weiterzubilden, sich zu beschäftigen (im Gegensatz zu Wien beispielsweise, wo es kostenlose Deutschkurse und Fortbildungsmöglichkeiten gibt). Sie müssen mit 40€ Taschengeld im Monat auskommen, dürfen weder arbeiten noch haben sie die Gelegenheit, die Sprache des Landes zu lernen, in dem sie eventuell irgendwann leben werden.
Ich zerbreche mir immer wieder den Kopf über den Rassismus und die Intoleranz in unserem Land, über die sozial Schwachen und insbesondere über die Flüchtlinge, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und vehement daran gehindert werden, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Irgendwann im Jänner ist mir dann eine Idee gekommen: an unserer Uni gibt es so viele Studierende, die unentgeltlich (!) diverse Jobs machen (Babysitten, Diplomarbeiten korrigieren,...), um zu Berufserfahrung zu kommen und ihren Lebenslauf zu füllen – was sich bei der Arbeitssuche ohne Zweifel gut macht. Warum sollte es also nicht möglich sein, ein Projekt auf die Beine zu stellen, in dem StudentInnen die basic tools aus ihrer Muttersprache an AsylwerberInnen weitergeben? Oberflächlich betrachtet machen sie das zwar unentgeltlich, aber in der Tiefe ist eine solche Tätigkeit auf mehreren Ebenen bereichernd: die StudentInnen sammeln nicht nur berufliche Erfahrungen (für Lebenslauf etc.), sondern lernen auch Menschen aus anderen Kulturen und mit verschiedensten Erfahrungshintergründen kennen. Und sie leisten dadurch auch einen wesentlichen Beitrag in Sachen Antirassismus bzw. Friedensarbeit.
Für StudentInnen, die die Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache“ absolvieren, werden die Kurse als Praxiszeit angerechnet. Für alle anderen soll es demnächst die Möglichkeit geben, sich die Stunden als freie Wahlfächer abgelten zu lassen. Weiters ist angedacht, dass die ProjektmitarbeiterInnen von den Studiengebühren befreit werden, aber darüber wird derzeit noch diskutiert.
Das Pilotprojekt beginnt jetzt, im November 2007, in zwei Flüchtlingspensionen der Gemeinde St. Kanzian. Anfallende Kosten wie Benzingeld, Unterrichtsmaterialien usw. werden von der Katholischen Frauenbewegung getragen. Zahlreiche andere Unterstützer (ÖIE, ZARA, ASPIS,...) stehen uns ideell und mit Rat und Tat zur Seite.
Die AsylwerberInnen haben lange auf Beschäftigung gewartet und freuen sich aufs Lernen. Wir sechs StudentInnen stehen erstmals als Lehrende vor einer bunt gemischten Gruppe und werden unseren „SchülerInnen“ zeigen, dass es auch Menschen in diesem Land gibt, die sie willkommen heißen.
Sollte das Pilotprojekt gut funktionieren, und davon gehe ich aus, so soll es im nächsten Semester größere Dimensionen annehmen: es sollen Ortsgruppen von engagierten StudentInnen entstehen, die in ihren Heimatgemeinden Deutschkurse anbieten. Sieht man sich die Karte der Flüchtlingspensionen in Kärnten an, ist klar, dass genug Bedarf besteht.